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Bewirtschaftung von Kurzumtriebsflächen

Was ist Kurzumtrieb, Feldholz, Niederwald, Energiewald

Ackerflächen, auf denen schell wachsende Laubbaumarten gepflanzt werden, die sich durch ein überdurchschnittliches Jugendwachstum auszeichnen. Das Holz und die Sägenebenprodukte (Späne, Hackgut) werden von Energieerzeugern (Biomasseheizwerke, KWK) und der Papier- und Plattenindustrie als Rohstoff benötigt.

Warum Kurzumtriebswirtschaft?

Versorgungsschwierigkeiten durch steigende Anzahl an Biomasseheiz(kraft)werken; der Bedarf wird auch in Zukunft steigen durch die wachsenden Exportraten der Zellstoff-, Papier-, Platten- und Sägeindustrie, Inbetriebnahme weiterer Ökostromanlagen, Anstieg an Biomassekleinfeuerungen, zurückgehender Rohholzimport.
Durch die Kurzumtriebswirtschaft kann eine interessante Möglichkeit für Zusatzeinkommen für landwirtschaftliche Betriebe geschaffen werden.

Charakteristik von KUP (KurzUmtriebsPlantagen)

In der ersten Lebensphase wachsen die Pflanzen überdurchschnittlich schnell - in kurzer Zeit wird viel Masse in vergleichsweise geringerer Qualität (Gewicht/Volumen) produziert. Verwendet werden spezielle Baumzüchtungen (Klone),  vorwiegend von Pappeln und Weiden (Robienen)
Laubbäume werden in regelmäßigen Zeitabständen „auf Stock gesetzt“ - zurückgeschnitten, Erntematerial wird genutzt; Stock treibt erneut aus, bildet wieder rasch Masse, nach ein paar Jahren, der „Umtriebszeit“ (2 - 6 Jahre), erneute Ernte
Vorteile: einsparen der Wiederbegrünungskosten; Ertrag gegenüber reinen Kernwüchsen erhöhen;
Die Triebkraft nimmt häufig nach dem ersten Umtrieb zu; Nach 25-30 Jahren sinkt Ertragsleistung und ist eine Rodung (Bodenfräse) und Neupflanzung empfehlenswert.

Erfolgsfaktoren

Standort, gute Klonwahl (bezogen auf Klima, Standort, Boden), Pflege im Pflanzjahr und Pflanzverband, Qualität der Stecklinge, Wasserverfügbarkeit, Bodenqualität, Verunkrautung, Krankheiten und Insektenfraß, Wildverbiß- und Fegeschäden;
Erträge: 10-15to TM/ha/a in Oesterreich. Bis zu 20 Atroto und mehr (absolute Trockenmasse) z.B in Italien bei Grundwassernaehe und besten Ackerboeden

Vermarktung

Eigenbedarf oder Belieferung von Hackschnitzelabnehmern (z.B. Nahwärmenetze), Industrie

Rechtliche Kriterien (gültig für Österreich)

Mindestabstände sind in Landesgesetzen festgelegt;
Rechtzeitig melden und ernten gemäß §1(5) Forstgesetz: Kurzumtriebsflächen gelten als landw. Flächen, vorausgesetzt die Kultur wurde nicht auf Waldboden angelegt und wird binnen 10 Jahren nach der Anlage bei der BH als solche gemeldet; Spätestens nach 30 Jahren das erste Mal ernten ansonsten gilt die Fläche als Wald

Pflanzenbauliche Kriterien

Bodenbonität
Bodenzahl: untere Grenze ca 30; pH-Wert 5,5-7,5 ansonsten kalken
Wasserverfügbarkeit
Vorwiegend eingesetzten Baumarten sind Wasserliebend (Pappeln, Weiden), Wachstum der Pflanzen hängt daher von der Niederschlagsmenge (ab 300-500mm/a), der Wasserhaltekapazität des Bodens und der Verfügbarkeit von Grundwasser bzw. Höhe des Grundwasserspiegels ab; Humus- oder Nährstoffgehalt sind erst in zweiter Linie wichtig.
Geeignete Flächen sind insbesondere Stilllegungsflächen, Ackerflächen, landw. Grenzertragsböden - milde Lehme mit frischem bis betont frischem Wasserhaushalt sind vorteilhaft

Klone und vegetative Vermehrung

Klon: Gesamtheit der Pflanzen die dasselbe genetische Material aufweisen, erfolgt durch vegetative Vermehrung (Verw. von Triebabschnitten) des Mutterbaums

Klonwahl

Abhängig von Standort und Holzvermarktungsschiene; In Mitteleuropa kommen vorwiegend Pappel und Weiden in Betracht. Weide vor allem für Wasserreiche Böden, ist allerdings stärker Wildverbissgefährdet
Anforderungen an den Klon: Sicheres Anwuchsverhalten; rasches Jugendwachstum; schmale, kompakte Baumkrone mit spitzem Astwinkel; gutes Stockausschlags- und Regenerationsvermögen auch nach mehreren Ernten in unterschiedlichen Intervallen; vollständiges Ausnutzen der Vegetationszeit bei gleichzeitiger Früh- und Spätfrotsresistenz (Kompromiss erforderlich); leichte und günstige Vermehrbarkeit; Konkurrenzverträglichkeit im Dichtstand; geringe Beeinflussung der Wuchsrichtung/Krümmung durch Belichtungsrichtung;
Es ist unbedingt zu beachten, dass großflächige monoklonale Anlagen immer ein höheres Krankheitsrisiko aufweisen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfordern

Keine Großflächenlösungen mit einem einzigen Klon!
Eine dem Standort angepasste Vielfalt in der Klonwahl ist zu bevorzugen, bzw. natürliches Material aus der Region, das züchterisch weiterentwickelt wurde;
Weiden nahezu 100%ige Anwuchs- und Regenerationserfolge; Umtriebszeiten von max. 4 Jahren; hoher Verbiss druck durch Rehwild; Ertragsleistung ab ca. 8t/ha/a;
Robinie in Erprobung - Verband mit Weide durch Wechselwirkung (Weide Stickstoffzehrer, Robinie Stickstoffanreichernd); hoher Heizwert; gute Entzündbarkeit; geringe Bodenansprüche, trockenheitsverträglicher;

Bodenvorbereitung

Ackerflächen: 25-30cm Pflügen, Eggen, Zeitpunkt richtet sich nach der Vorkultur und der Bodenbeschaffenheit; bindige Böden - Herbst- bzw. Winterfurche (Frostgare), leichte Böden unmittelbar vor der Pflanzung; auf alle Fälle sollte für eine lockere Krümelstruktur vor der Pflanzung geeggt werden.
Grünland: Bodenumbruch unumgänglich (Ausnahme: Pflanzung von Ruten, bewurzelten Pflanzen); Umbruch auf ca. 30cm tiefe mit anschließendem Fräsen unmittelbar vor der Kulturanlage genügt in der Regel;
Herbizide: An Standorten mit erfahrungsgemäß starkem Auftreten von Beikräutern können Vorlaufherbizide unmittelbar vor oder kurz nach der Pflanzung und/oder bereits im Herbst Totalherbizide den gewünschten Effekt erreichen
Untersaat: gesät vor der Pflanzung der Stecklinge kann Begleitwuchs verhindern und somit Kulturmaßnahmen reduzieren, Versuche mit Getreide und Leguminosen, Untersaat kann als Frucht oder Mulch genutzt werden. (wirken meist leicht wuchshemmend -> Konkurrenz)

Pflanzung

Stecklinge oder Steckhölzer; 0,8 cm-3cm dick und 20cm lang, unbeschädigt, mind. 2 Knospen
Ruten, Stangen, bewurzelte Pflanzen; teureres Pflanzmaterial 1-2m lang; (Robinie und Aspe müssen bewurzelt eingebracht werden); können für Nachbesserungen verwendet werden
Vor dem Austrocknen schützen, von Schnitt bis Pflanzung ausreichend kühl und feucht halten
Auspflanzung im Frühjahr sobald Bodenzustand es zulässt; spätestens wenn auch Maisaussaat empfohlen wird oder im Herbst nach dem Laubfall bis stärkeren Frost.
Bei bindigen und schweren Böden Überstand bei der Pflanzung möglich (max. 1/3 der Stecklingslänge), bei sandigen Böden ebenerdig bis leicht an gehäufelt (maschinell); für entsprechenden Bodenkontakt ist zu sorgen ansonsten Gefahr der Austrocknung;
Pflanzabstand: durch den von Anfang an gewählten Pflanzverband soll die Flächenproduktion maximiert werden.
Kriterien sind:
geplante Umtriebszeit - je kürzer die Umtriebszeit, desto höher die Pflanzdichte und Investitionskosten im Anlagejahr
Zieldurchmesser des Einzelstammes - größerer Zieldurchmesser bedeutet längere Umtriebszeit und größerer Pflanzabstand (vollmechanisch derzeit bis ca 16 cm moeglich)
Geplantes Ernteverfahren - Vollernter 1,5 -2m Gassenabstand und ca. 10m Wendestreifen; Gehölzmähhäcksler 0,9-1,5m; Harvester brauchen keinen fixen Pflanzenverband, ebenso bei manueller Ernte.
Doppel- oder Einzelreihe - einreihig ist maschinentypunabhängiger bei der Ernte, der Doppelreihenverband ist auf die Arbeitsbreite der Erntemaschinen abgestimmt; Pappel wird in der Regel einreihig gepflanzt
Maschinell oder händisch pflanzen - bis ca. 2ha manuelle Pflanzung, für maschinelle Pflanzung umgebaute Kartoffel- oder Gemüsesetzmaschinen (20cm Pflanztiefe muss erreicht werden), große Flächen auch mit Spezialmaschinen

Pflege

Stecklinge gerade im ersten Jahr gesund durchs Jahr bringen, ab dem 2. Standjahr sind in der Regel keine Pflegemaßnahmen mehr nötig jedoch Beobachtung in Bezug auf Insekten, Krankheiten und Unkrautbefall
Der Einsatz von Herbiziden sollte generell so gering als noetig gehalten werden. Nur die Maßnahmen „mech. Bearbeitung“ und „enger Pflanzverband“ stehen im Einklang mit der nachhaltigen Ausrichtung der Biomassenutzung.
3-4mal in den Fahrgassen fräßen je nach Verunkrautung), zwischen den Reihen hacken; vorbeugen durch einpflügen der Unkrautsamen, dichterer Pflanzabstand (! Umtriebszeit, Kosten!), Mulchen;

Rückschnitt bereits im ersten Jahr?

Die Wirtschaftlichkeit ist nach wie vor strittig, aus den anfallenden Trieben koennen jedoch neue Stecklinge gewonnen werden (Vorsicht bei geschuetzen Klonen!) oder der starke Kernwuchs wird eliminiert und der Stockausschlag eingeleitet um den mittleren Stammdurchmesser zu reduzieren.

Düngung

Bei Pappel nicht erforderlich, bei Weide wirkt sich N-Düngung merklich ertragserhöhend aus; Robinie wäre als Stickstoffbinder für Mischkulturversuche interessant, Rückführung der Asche führt zu einer ausgeglichenen Nährstoffbilanz bei Mineralien; auf sauren Böden Anfangskalkung.

Vermeiden von Wildschäden

Gatterung, Duftzaun, bei Weide möglichst große Anlage mit mehreren Klonen, am Rand mischen mit Pappeln, bei dichten Beständen verbiss nur am Rand.

Ersatz von Ausfällen durch Nachpflanzen

Großflächige Ausfälle durch Stecklinge oder Ruten; kleinflächige Ausfälle nicht ersetzen da sich die Nachpflanzung nicht durchsetzen kann.

Ernte

In der Regel zwischen November und Februar, jedenfalls nach der Ablaubung; für die Energie- bzw. Hackschnitzelschiene Umtriebszeit von 3-5 Jahren im engeren Pflanzverband; Industrieholz 8Jahre und mehr und weiterer Pflanzverband; das Ernteverfahren sollte vor der Flächenanlage feststehen! Die einfachste Methode ist mit Motorsäge, Radlader und Hacker; Vollernter nur bis Zielstammstärken >9cm, darüber sind diese bis dato überfordert; Bügelmotorsögen für kleinere Versuchsflächen, bei mehrtriebigen Stockausschlag nicht zu empfehlen - geringe Leistungsfähigkeit, Unfallrisiken;
Hochmechanisierte Verfahren:
kleine Zieldurchmesser, kurzer Umtrieb - landwirtschaftliche Erntegeräte; hierbei ist folgendes zu beachten: Gestaltung der Logistik auf dem Feld, Abnehmer, kurze Wendezeiten der Erntemaschinen und berücksichtigen des Wenderaumes,
große Zieldurchmesser, langer Umtrieb - forstwirtschaftliche Erntegeräte; durch Harvester oder Fäller-Bündler, 9 cm Stammstärke überschritten.

Die Logistik Feld - Abnehmer für die Hackgutschiene

Auch die Transportkosten zum Abnehmer sind entscheidend, daher zu beachten: Transportentfernung zum Abnehmer, Transportgeschwindigkeit und örtliche Gegebenheiten (bergig, viele Kreuzungen), Erntemenge/Zeiteinheit, Befüllkapazität der Transportfahrzeuge

Rekultivierung - Entfernung der Stöcke nach Ende der Rotationszeit

Zerstörung der Wurzelstöcke mit einer Forstfräse auf ca. 35cm Bodentiefe notwendig; Die Fahrgeschwindigkeit regelt den Zerkleinerungsgrad; Es muss vor Ort entschieden werden, ob eine weitere landwirtschaftliche Nutzung ist mit den derzeit am Markt befindlichen Fräsen problemlos möglich; Boden muss bei den Rückführungsarbeiten bis zur Bearbeitungstiefe trocken sein (Verdichtung!) Nachnutzung mit Mais oder Feldfutter besser als mit Sommergetreide.

Kosten

Aus den Informationen der Mengen- und Wirtschaftlichkeitsangaben sollte folgendes klar erkennbar sein:

  • Massenangaben (Tonnen) oder Volumsangben (Schüttraummeter, Festmeter); Trockensubstanz oder Frischemasse; Wassergehalt?
  • Flächenertrag - durchschnittlicher Hektarjahresertrag (niedriger) oder Gesamtertrag in einzelnen Erntejahren (höher)
  • Parität - Wo wird Ware übergeben? frei Feldrand, frei Werk?


Deckungsbeitragsvergleich mit anderen Feldfrüchten: Kurzumtrieb muss wirtschaftliche Option darstellen, die Bandbreiten liegen zw. 50 und 300€ bei Energieholz und zw. -216- +125€ bei Industrieholz;
Für die Wirtschaftlichkeit sind folgende Punkte entscheidend:

  • Trockensubstanzertrag
  • Trockensubstanzpreis
  • Erntekosten
  • Empfohlen Mindestfeldgröße bei Einsatz eines Vollernters ab 3 - 5ha

Fazit

Landwirte die zumindest eine eigene Versuchsfläche schaffen bei geringem Risiko einen langfristigen Wettbewerbsvorteil, durch Experimente sollte im Lauf der nächste Jahre und Jahrzehnte ein Ehrfahrungsschatz aufgebaut werden
Aufgrund der langen Rotationszeit und der aktuellen Marktentwicklung sollte man sich aber nicht auf Versuchsflächen beschränken; eine Flächenanlage >10ha kann sich über vergleichsweise hohe Deckungsbeiträge lohen - Stilllegunsfflächen, Grenzertragsböden bei Beachtung der angegebenen Kriterien und entsprechender Nähe (<20km) zum Abnehmer;

Folgende Punkte sind zu beachten:

  • Zu welchen Teilen Energie- oder Industrieholz - Pflanzabstand, Baumart, Umtriebszeit, Erntemaschine und -methode, in den Erntejahren Erntemaschinen zu möglichst gesicherten Preisen und Zeiten zur Verfügung zu haben
  • Klon - regional bewährt, möglichst im Eigenversuch
  • Bodenvorbereitung
  • Welche Art der Unkrautbekämpfung
  • Planung der Erntelogistik
  • Anschluss an eine Erzeugergemeinschaft - kostengünstige Ernte



Quellenherkunft © FHP, LK NOE

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